Zeitreise in die Vergangenheit
Fünf Hotels auf fünf Etagen, das gibt es im Dammtorpalais, einem prächtigen
Backsteinbau zwischen der Hamburger Universität und dem Messegelände
gelegen - inklusive einer kleinen Zeitreise zum Anfang des Jahrhunderts.
Auf jeder Etage des großbürgerlichen Wohnhauses gibt es ein anderes Hotel.
Eines davon ist das "Fresena". Mit Hotels wollte Inhaberin Katharina
Füllenbach nie etwas zu tun haben. Sie stammt aus einer Hotelierfamilie.
Aber dann hat das Metier die Politologin doch begeistert. Vor vier Jahren
machte sie sich mit dem "Fresena" selbständig, an dem sie viele ihrer
Wünsche und Interessen realisieren kann.
Soziales Engagement
Das Hotel gibt ihr auch Raum für soziales Engagement. Die meisten ihrer
Angestellten sind behindert. Für ihre Lust auf Kultur bieten die Wände des
langen Flures viel Platz. Zu sehen sind zur Zeit die Fotografien der
Hamburger Künstlerin Elke Rüss. Die Zimmer im alten Dienstbotentrakt sind
besonders beliebt.
HAMBURG (pz). Als kleines Hotel garni, mitten in Hamburg gelegen, hat sich das 3-Sterne-Haus Fresena bei Geschäftsreisenden ebenso wie bei Messebesuchern, Universitätsgästen und Touristen längst einen guten Ruf erworben. Die 23 Zimmer (bis zu drei Betten) im 3. Stock des „Dammtorpalais“ sind hell und freundlich, zweckmäßig eingerichtet und besitzen Dusche oder Bad/WC, Telefon, Internetanschluss und TV. Ein Tagungsraum, Fahrradverleih und Wäscheservice ergänzen das Hotelangebot.
Seit drei Jahren betreibt Katharina Füllenbach das Hotel Fresena. Für die Realisierung ihres Traums, sich selbständig zu machen, gab sie sogar ihre beruflichen Ambitionen als Politologin auf. Außerdem liebt sie den direkten Kontakt zu den Menschen, den ihr der Beherbergungsbereich bietet.
Doch damit nicht genug: Katharina Fullenbach entwickelte ein Konzept, das ihr gestattete, in ihrem Haus behinderte Menschen zu beschäftigen, die sich auf dem ersten Arbeitsmarkt behaupten konnten und nicht in die vielfältigen geschützten Einrichtungen des zweiten und dritten Arbeitsmarktes zurückziehen mussten. Dabei würde sie eine hohe Motivation der beschäftigten Menschen erreichen, glaubte sie.
Bald verwirklichte sie denn auch ihre Idee. Von den fünf Mitarbeiterinnen, die die sozial außerordentlich stark engagierte Unternehmerin heute beschäftigt, sind vier behindert. „Meine Erfahrungen mit diesen Mitarbeiterinnen sind sehr gut, und ich wünschte, dass auch andere Kollegen meinem Beispiel folgen“, betont sie.
Froh ist sie darüber, mit ihrer verantwortungsvollen Arbeit nicht allein gelassen zu werden. Behinderte Erwerbstätige werden nämlich von speziellen Fachstellen und Sachbearbeitern der Agentur für Arbeit/Hamburger Arbeitsassistenz nicht nur vermittelt, sondern auch betreut. Noch vor Besetzung einer Stelle wird darauf geachtet, dass der behinderte Arbeitnehmer die Aufgaben, die ihn erwarten, auch ausfüllen kann. Hier sind ein vorgeschriebenes Praktikum und eine Probezeit hilfreich. Die umfassende Beratung durch geschulte Fachkräfte ist nach den Worten von Katharina Füllenbach selbstverständlich.
Und je nach Schweregrad und Art der Behinderung kann ein Arbeitnehmer auch über einen längeren Zeitraum oder dauerhaft von einem Arbeitsassistenten betreut werden, der meistens sozialpädagogisch geschult ist. Dieser hilft auch bei der Erläuterung krankheitsbedingter Eigenheiten eines Arbeitnehmers. Vor allem die Integrationsämter und Fachvermittlungsdienste haben sich hier neben Arbeitsbegleitungen bestens bewährt.
Gesondertes Arbeitsrecht
Im Hotel garni Fresena ist Florence Maimon, spezialisiert auf lernbehinderte Menschen, als Arbeitsassistentin stets willkommen. Zu ihren Schützlingen zählt Tanja, die ein Jahr im Fresena tätig ist und sich bestens bewährt hat. In ihrem Arbeitsbereich, Zimmer- und Frühstücksservice, ist sie nahezu perfekt, so dass sie nur noch ganz selten fremde Hilfe benötigt. Verständlich, dass Tanja darauf stolz ist und ihr Selbstwertgefühl enorm gestiegen ist. Und natürlich fühlt sich Florence Maimon durch diesen Erfolg in ihrer Arbeit, die sie immer wieder aufs Neue fordert, einmal mehr bestätigt.
Die junge Frau ist Mitarbeiterin der Hamburger Arbeitsassistenz, Fachdienst für die berufliche Integration. Dieser unterstützt arbeitsuchende Menschen mit Behinderung bei der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz und bietet darüber hinaus Hilfe bei der Vorbereitung auf den Arbeitsplatz, individuelle Qualifizierung und Begleitung am Arbeitplatz bis zur Selbständigkeit, Beratung und Unterstützung bei der sozialen Eingliederung in den Betrieb sowie Hilfe bei berufsorientierenden und berufsqualifizierenden Maßnahmen. Sogar spezielle Seminare für Behinderte – etwa zu den Themen Lebensläufe, Kommunikation, Konfliktbewältigung, Kooperation – beinhaltet das Programm.
Katharina Füllenbach: „Behinderte Arbeitnehmer unterliegen einem gesonderten Arbeitsrecht, was sich am deutlichsten in höheren Urlaubsansprüchen und einem erhöhten Kündigungsschutz bemerkbar macht. Falsch ist allerdings die weit verbreitete Ansicht, dass ein Arbeitgeber einen behinderten Arbeitnehmer im Konfliktfall ‚nicht mehr los wird“. Bei berechtigten Gründen stimme das zuständige Integrationsamt einem entsprechenden Antrag sehr wohl zu.
Die Unternehmerin, die auf beispielhafte Weise ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung wenigstens zu einem Teil nachkommen will, wie sie selbst erklärt, verschweigt nicht, dass Arbeitsplätze von Behinderten finanziell gefördert werden, wobei sich das Ausmaß der Förderung „nach dem Grad der Behinderung und der Dauer der vorangegangenen Arbeitslosigkeit richten“. Auf keinen Fall sei hier ein Vergleich mit einem Personalkosten-Sparmodell angebracht. Vielmehr gehe es um einen Ausgleich, der die betriebswirtschaftlichen Nachteile bei der Beschäftigung von Behinderten egalisieren soll.
Dabei geht es Bianca Hobusch weniger um die Darstellung der jeweiligen Kulturen, sondern mehr um Details, um atmosphärische Porträts von Raummodellen, die sich aus verschiedenen zeitlichen, kulturellen und religiösen Darstellungen entwickelt haben.
Bei der Eröffnung der Fotoausstellung am 22. August, 18 Uhr, wird Brigitte Bedei, Hamburg, einen einführenden Vortrag halten
"Unsere Hotels sind etwas für Individualisten, die ein besonderes Flair, etwas Unverwechselbares wünschen", beschreibt Katharina Füllenbach (44), Inhaberin des Drei-Sterne-Hotels "Fresena" im Dammtorpalais und Mitinitiatorin der Marketingoffensive. "Wir sind so attraktiv wie die Großen - nur eben anders." Jedes der beteiligten Hotels zeichne sich durch seinen eigenen Stil und Charme aus. "Bei uns knarrt auch mal eine Diele, doch die Gäste finden dies sympathisch." Statt Standardzimmer bieten die Hotels meistens individuell eingerichtete Zimmer in ausgewählten Stadthäusern oder ehemaligen Kontorhausetagen. Dabei gehe es freundlich und persönlich zu: "Bei uns kümmern sich die Inhaber oft selbst um die Gäste. Frühstück gibt es auf Wunsch gerne auch mal später."
Die meisten der kleinen Hotels haben zwischen sieben und 30 Zimmern. Das Doppelzimmer mit Frühstück kostet im Schnitt um die 100 Euro, es gibt auch welche für 60 oder 155 Euro. Das Hotel "Nippon" etwa ist durch und durch japanisch gestaltet, das Hotel "Hanseatin" lässt nur Frauen in seinen Betten schlafen, in den Hotels "Fresena" und "Bellmoor" nächtigt man in prachtvollen ehemaligen Etagenwohnungen der Jahrhundertwende.
Obwohl die Konkurrenz durch neue Häuser für alle Hoteliers immer größer wird, sehen die Zukunftschancen gut aus. Hamburg konnte 2002 gegen den Bundestrend die Zahl seiner Übernachtungen um 6,5 Prozent auf 5,1 Millionen erhöhen. "Im ersten Halbjahr legten die Hotels weiter um 6,1 Prozent zu, während bundesweit ein Rückgang von einem Prozent zu verzeichnen war", berichtet Börries von Kummer, Marketingleiter der Hamburg Tourismus GmbH.
Ursache des Zuwachses sei die steigende Attraktivität der Hansestadt: insbesondere die Musicalszene, Kultur und Shoppingangebote, aber auch die guten Hotels und Restaurants locken viele an die Elbe. In Hamburg gibt es 274 Hotels und Pensionen mit 33 765 Betten, 7,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Trotz der höheren Bettenzahl konnten die Hoteliers ihre Auslastung von 47,5 Prozent im Vorjahr auf 48,1 Prozent erhöhen. "Die Zahl der Übernachtungen wird in den nächsten Jahren weiter um je vier Prozent zulegen", ist der Tourismusexperte von Kummer optimistisch: "2005 werden wir sechs, 2008 sieben Millionen Übernachtungen haben. Hier gibt es für Hoteliers gute Chancen - aber sie müssen gut sein und Besonderes bieten."
Tzippi Kichler (56) kann sich an keine Nacht erinnern, in der ihre Mutter Basha nicht schrie. Aus dem Schlaf gerissen von der Erinnerung: Wie sie mit gesenktem Blick auf ein Paar spiegelblank gewichste Stiefel starrt. Das Schnauben der Dogge Rolf und des Schäferhundmischlings Alf an ihrem Ohr. Und dessen Herrchen, Lagerkommandant Amon Göth, wie er ihr mit dem Ellbogen einen Stoß vor den Kopf verpasst, damals in der Näherbaracke im Konzentrationslager Plászow. "Bis zu ihrem Tod hatte sie das Bild vor Augen", sagt die Tochter.
Jetzt sitzt Tzippi Kichler, Lehrerin aus Holon in Israel und Mutter von drei Kindern, im Frühstücksraum des Hotels Fresena an der Moorweidenstraße. Der Verein Yad-Ruth aus Reinbek hat der Jüdin einen Wunsch erfüllt: Ein Treffen mit Monika Hertvig (57), geborene Göth - der Tochter von Amon Göth, dem "Teufel von Plászow, spätestens seit Schindlers Liste als einer der widerlichsten Sadisten des Nazi-Regimes bekannt. Göth erschoss Gefangene aus Langeweile oder hetzte Rolf und Alf auf sie und sah zu, wie die Hunde sie zerrissen.
Kichlers Eltern Basha und Leon überlebten diese Hölle. "Nun trifft ein Kind von Überlebenden des Holocaust das Kind eines Nazi-Mörders", sagt Tzippi Kichler aufgewühlt. Monika Hertvig, Mutter von zwei Kindern, wirkt zerbrechlich. Eine große, schlaksige Frau mit volumiger Lockenfrisur, die ihr Gesicht verdeckt. Ein freundliches Gesicht mit traurigen Augen und harten Zügen. Ein Hinweis auf das schwere Leben, das die 57-Jährige zu leben hat. Als Tochter des "Monsters".
Die beiden Frauen geben sich unsicher die Hand. Tzippi Kichler beginnt gefasst zu erzählen. Die Sache mit der Mutter in der Näherbaracke. Wie Leon Kichler, Kellner aus Krakau, unter Todesangst Eierlikör für Göths Party brauen musste. "Viel mehr erfuhr ich nicht. Mein Vater schwieg jahrelang. Die Mutter erzählte wenig und wurde dafür in Israel von vielen für meschugge erklärt: Basha, so schlimm können die Deutschen doch nicht gewesen sein", sagt Kichler.
So wächst sie auf und schämt sich für ihre Eltern. Weil die sich zurückzogen, nicht für Israel in der Armee kämpften. Wie all die Eltern der Schulfreunde. "Erst als ich andere Kinder von Überlebenden traf, erkannte ich: Meine Eltern sind Helden. Weil sie ein normales Leben führen und mir das Leben schenkten." Seit 32 Jahren betreibt Tzippi Kichler ein Zentrum, in dem Schüler auf KZ-Überlebende treffen. "Wir reden über Hass und was er aus Menschen macht. Und wir lehren die Kinder zu lieben", sagt Kichler.
Monika Hertvig hört all dem ruhig zu. Horror-Geschichten über den Vater, den sie nie kennen lernte, hat sie vielfach gehört. Doch bei aller Gegensätzlichkeit gibt es Parallelen zwischen ihrer und Tzippi Kichlers Kindheit. Etwa die "Zeit der Stille", als niemand reden wollte. Der Vater, "der Göth", sei tot. Irgendwo in Russland gefallen, sagte die Mutter Irene. Punkt, Aus. Nur wenn Monika bockig war, wütend mit dem Fuß aufstampfte, da schimpfte die Mutter: "Du bist wie dein Vater, und du wirst enden wie dein Vater!" Monika verstand nicht und begann die Oma zu löchern. So erfuhr sie schließlich: "Aufgehängt haben sie den Göth, weil er so viele Juden getötet hat."
Je mehr sie über "den Göth" erfuhr, desto mehr verabscheute sie ihre Mutter, die "ihren Amon" liebte und verklärte. Das Beispiel der Mutter, die 1983 Selbstmord beging, lehrte Monika, wie wichtig es ist, nicht zu entschuldigen. Amon Göth als das zu sehen, was er war: ein sadistischer Mörder. "Seit ich das so sehe, geht es mir besser", sagt Monika Hertvig. "Was tun Sie, um künftige Generationen vor einem neuen Amon Göth zu schützen?", fragt Tzippi Kichler schließlich. Monika Hertvig entgegnet: "Ich gehe in Schulklassen, mache klar, dass alle Menschen verschieden sind und jeder das Recht hat zu leben. Wir brauchen Toleranz." Tzippi Kichler hat Respekt für den Mut dieser Frau: "Wir haben etwas gemeinsam", sagt sie, und die Frauen geben sich die Hand. Etwas länger als beim ersten Mal.
Stillstand ist für sie ein Fremdwort, Flexibilität und Vielseitigkeit liegen ihr dagegen im Blut. Katharina F ü l l e nb a c h (44), Inhaberin des Hamburger Hotels Fresena im Dammtorpalais an der Moorweidenstraße, studierte Politik, Philosophie und osteuropäische Geschichte in Bonn, Genf und New York. Nach ihrem Examen arbeitete sie für den Bundestag, leitete als Direktorin das Schauspiel Frankfurt, war Marketing-Chefin für Oper und Ballett. 1999 zog die gebürtige Bonnerin dann als Leiterin der Kroschke-Stiftung nach Hamburg.
"Alle Jobs haben mir Spaß gemacht", sagt die Unternehmerin. "Doch erst seitdem ich mich selbstständig gemacht habe, bin ich beruflich richtig glücklich." Und dies, obwohl die allein erziehende Mutter jeden Tag in ihrem individuell gestalteten Hotel arbeitet, sich persönlich um ihre Gäste kümmert. "Ich funktioniere am besten, wenn ich alles selbst entscheiden kann."
Ihre Freizeit fällt aus ihrer Sicht "überschaubar" aus. Morgens bringt sie ihre Tochter zur Schule, dann gehts ins Hotel. Nachmittags holt Füllenbach ihre Magdalena (9) ab. "Dann unternehmen wir was Schönes und machen Hausaufgaben." Den Abend reserviert sie sich möglichst für sich, geht mindestens zweimal pro Woche ins Theater. Das Schauspielhaus ist ihre Lieblingsbühne. Auch körperlich hält sie sich fit - und joggt um die Alster.